Initiative für eine leistungsfähigere Bildungsarbeit auf der Grundlage eines gemeinsamen Erziehungskonzeptes in Elternhaus und Grundschule

Wie kann die kindliche Förderung durch eine Stärkung der Erziehungskompetenz der Eltern in Zusammenarbeit mit der Grundschule auf eine breite und leistungsstarkeGrundlage gestellt werden? Die neuesten Studien (Shell-Studie und UNICEF-Bericht) zeigen besorgniserregende Entwicklungen, auf die Schule angemessen und wirksam reagieren sollte, indem sie die wichtigste „Bildungsstätte“ – das Elternhaus – in den gemeinsamen Bildungs- und Erziehungsauftrag einbezieht.

Dazu die Shell-Studie 2006:

Soziales Verhalten sowie die Bereitschaft zur Übernahme von gesellschaftlicher Verantwortung sind in Kindheit und Jugend an das Erlernen und Einüben von Offenheit gegenüber anderen sowie von Toleranz gebunden. Hinzu kommt die ebenso zu erlernende Fähigkeit, Konflikte und Auseinandersetzungen sozial adäquat und gewaltfrei zu lösen. Bemerkenswert ist hier der Zusammenhang zum Erziehungsstil der Eltern.

Je kooperativer und mitwirkungsorientierter der Erziehungsstil der Eltern, desto größer die Toleranz bei Jugendlichen. Je mehr Streit und Autokratie im Erziehungsstil, desto größer die Vorbehalte. Auch bei aggressiven Reaktionen findet sich ein Zusammenhang zum Erziehungsstil der Eltern. Und der UNICEF-Bericht beklagt das Schweigen der Eltern: In keinem anderen Land sind die Familien so sprachlos wie in Deutschland. (WAZ vom 15. 2. 07) Mehr als die Hälfte der 15-Jährigen sagen, dass ihre Eltern kaum Zeit haben, sich mit ihnen zu unterhalten. Damit ist Deutschland in diesem Punkt zum Schlusslicht unter 21 Industrieländern. (Recklinghäuser Nachrichten vom 15. 2. 07) Jede Bildungsarbeit muss scheitern, wenn Eltern nicht mit ihren Kindern sprechen. Doch gerade in deutschen Familien fehlt es an Kommunikation. Wie kann man diese Nachteil überwinden? Auf diese harte Frage gibt es noch keine harte Antwort. Nur eines hat die Forschung sicher herausgefunden: Sprache ist das Instrument, das vom ersten Tage an den Maßstab der kindlichen Entwicklung setzt. Eltern, die mit ihren Kindern nicht reden, kappen deren Lebenschancen. (Die ZEIT vom 3. 5. 07)

Hier nun könnten Grundschulen auf der Grundlage eines gemeinsamen Erziehungskonzeptes in Elternhaus und Schule eine grundlegende und wirkungsvolle Maßnahme nicht nur für die Sprachförderung eines jeden Kindes einleiten, sondern zugleich auch dessen soziale Kompetenz (s. Shell-Studie) und dessen Lernfähigkeit (s. Pisa-Studie) insgesamt verstärken.

Gleichzeitig würde die Lebensqualität der Familie erhöht, könnten die Belastungen in der Schule auf ein erträgliches Maß reduziert und deren Leistungsfähigkeit gesteigert werden. Denn der Bildungs- und Erziehungsauftrag gegenüber dem Kind ist nur zu erfüllen, wenn sich Eltern und Lehrer/innen auf der Grundlage eines gemeinsamen Erziehungskonzeptes gegenseitig unterstützen. So kann ein gemeinsamer Lebensraum Elternhaus-Schule geschaffen werden, wo Kinder sich wohl fühlen und geborgen wissen und wo sie auch in der Schule ein Zuhause haben.

Welche konkreten Maßnahmen wären dazu notwendig? Die Grundschule müsste jeweils 1 - 2 Kollegen/innen freistellen für eine spezielle Kurzausbildung an 9 Nachmittagen (a 2 Stunden). Als Erziehungstrainer/innen könnten diese dann durch schulinterne Kurse alle neuen Eltern der Eingangsklassen befähigen,

  • eine feste und tragfähige positive Beziehung zu ihrem Kind aufzubauen oder   
  • zu verstärken,
  • die Gesamtentwicklung des Kindes (einschließlich seiner Sprach- und   
  • Sprechfähigkeit) zu fördern   
  • und durch klare Grenzsetzungen dem Kind Halt und Richtung zu geben.

Eine solche Stärkung der Erziehungskompetenz ist erfahrungsgemäß am ehesten mit einem verhaltens- und gesprächstherapeutisch ausgerichteten Training zu erreichen, da es vier überzeugende Vorteile gewährt:

  1. Das Training ist konkret auf die einzelnen Familiensituationen abgestimmt. Problematische Verhaltensweisen des Kindes können sofort und direkt angegangen und in der Regel kurzfristig gelöscht (nicht nur reduziert) werden.
  2. Das Training ist leicht umzusetzen und von Eltern aller Bildungsstufen zu leisten. (Positive Erfahrung auch mit Eltern, die vom Jugendamt geschickt wurden)
  3. Das Training ist ausschließlich positiv ausgerichtet. Statt mit störungsorientierten Reaktionen (Schreien, Schlagen, Strafen), die in der Regel das Problemverhalten weiter festigen, wird das Kind hier mit positiven Strategien zu einem angemessenen Verhalten geführt.
  4. Das Training ist schnell umzusetzen. Die angewandten Strategien wirken schon nach wenigen Anwendungen. So ist auch die Gesamttrainingszeit auf Wochen begrenzt. Allerdings müssten die Eltern im Umfeld der Schule langfristig in Gesprächskreisen und Elternabenden weiter begleitet und unterstützt werden, so dass die neu gelernten Strategien zur Routine werden können.

Die ausgebildeten Trainer sollten die Ausbildungsinhalte auch an die jeweiligen Klassenlehrer/innen weitergeben, so dass auf der Grundlage eines gemeinsamen Erziehungskonzeptes eine einheitliche und damit leistungsfähigere Bildungsarbeit in Elternhaus und Schule möglich wird. Erste Erfahrungen mit diesem gemeinsamen Erziehungskonzept führten zu wichtigen Verbesserungen des Familien- und Schullebens:

  • Anerkennung in der Öffentlichkeit
  • Erhöhte Anmeldezahlen
  • Reges Interesse der Eltern an den Elternkursen
  • Entlastung der Familiensituation im Elternhaus
  • Positives Beziehungsfeld zwischen Lehrern, Eltern und Kindern
  • Intensive Zusammenarbeit von Eltern und Lehrern
  • Angemessenes Sozialverhalten der Kinder
  • Erhöhter Lerneifer der Kinder
  • Verbesserte Bildungschancen
  • Gute Lebens- und Arbeitssituation in der Schule für alle Beteiligten.

Dieses Projekt wird von der Stiftung Westfalen-Initiative wissenschaftlich begleitet und finanziell unterstützt.

Gottfried Duhme
Herzogswall 40 A
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Tel: 02361-937653