Der Fußballverein als Integrationsmotor

Viele Jugendliche mit Migrationshintergrund spielen Fußball, aber nur wenige engagieren sich im Verein. Ehrenamtliches Engagement in Vereinen ist aber ein wichtiger Integrationsmotor. Gemeinsam mit dem Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) hat die Stiftung Westfalen-Initiative deshalb ein Projekt aufgelegt, das Jugendliche vor allem mit Migrationsgeschichte zur Mitarbeit und Übermnahme von Verantwortung im Verein bewegen soll.

 Projekt mit dem FLVW

Deutschland ist ein Einwanderungsland – und Westfalen hat eine ganz besondere Immigrationsgeschichte. Schon vor über hundert Jahren wurden Migranten aus Osteuropa im westfälischen Ruhrgebiet rasch integriert. Auch heute findet sich ein hoher Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund in Westfalen. Unter Kindern und Jugendlichen ist er besonders hoch. In den Kindertagesstätten, Kindergärten und Grundschulen erreicht der Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund Werte von über 50%. Angesichts der demographischen Entwicklung ist dies auch notwendig, stellt die Gesellschaft jedoch vor das Problem, die zugewanderten Menschen aus anderen Kulturkreisen möglichst rasch und effektiv integrieren zu müssen.

Integration ist ein zentrales Thema. In Zukunft werden die Gesellschaften und Regionen die Nase vorn haben, die in diesem Bereich besonders erfolgreich sind. Westfalen als traditionelle Immigrationsregion bringt hier beste Voraussetzungen mit. Wie neuere Studien zeigen, ist das bürgerschaftliche Engagement, besonders im Verein, ein wichtiger Integrationsmotor. Dies findet sich besonders im Sport, denn Sportverbände erzeugen ihre Leistungen ganz überwiegend durch ehrenamtliches Engagement und freiwillige Mitarbeit. Darin manifestiert sich das Bewusstsein für Autonomie, Demokratie, Solidarität, Gleichberechtigung sowie Selbstorganisation. Insofern ist der Fußball- und Leichtathletikverband Westfalen (FLVW) der ideale Partner für ein Integrationsprojekt, schließlich ist er, gemessen an Mitgliederzahlen und Organisationsdichte, der größte und verbreitetste Verband in Westfalen.

Allerdings sind Menschen mit Migrationshintergrund in Vereinen, auch in Fußballvereinen, unterrepräsentiert, besonders unter den Funktionsträgern. Viele Jugendliche mit Zuwanderungsgeschichte spielen Fußball, engagieren sich aber nicht im Verein. Dies gilt es gerade angesichts der integrationsfördernden Funktion von vereinen zu ändern. FLVW und Stiftung Westfalen-Initiative haben daher ein Projekt gestartet, um Vereinstrukturen und Mechanismen zu untersuchen und zu entwickeln, die das Engagement von Jugendlichen mit Migrationshintergrund in Fußballvereinen fördern.

Das Projekt leistet in vier exemplarischen Einzelfällen einerseits praktische Entwicklungs- und Förderarbeit und dokumentiert andererseits durch eine wissenschaftliche Begleitung Erfahrungen und Erkenntnisse, aus denen sich begründete Handlungsempfehlungen ableiten lassen. Ganz praktisch werden an den Standorten adäquate Vereinsstrukturen entwickelt und Qualifizierungsmaßnahmen durchgeführt, um mehr Menschen für die ehrenamtliche Arbeit zu gewinnen.

Mit den Projektstandorten Bestwig, Bochum, Dortmund und Münster-Angelmodde wurden Orte mit unterschiedlichen sozialräumliche Strukturen gefunden. Bestwig ist eine Gemeinde im Sauerland, die aufgrund der Bergbau-Vergangenheit einen hohen Anteil von Familien ehemaliger Arbeitsmigranten aus der Türkei aufweist. Ein Teil dieser Bevölkerungsgruppe hat den Nachweis der ehrenamtlichen Selbstorganisation insofern bereits erbracht, dass er die Geschicke des selbstgegründeten Fußballvereins „Anadoluspor“ leitet, der wiederum in den DFB-Spielbetrieb sowie in der Sportlandschaft der Gemeinde integriert ist. Nun gibt es einen Konflikt um die Konzentration von Jugendlichen, die zuvor im gemischtethnischen verein gespielt haben, in diesem Verein. Hier gilt es nun, einen integrativen Aufklärungs- und Verständigungsprozess einzuleiten.

In Dortmund sollen in Kooperation mit der Grundschule Kleine Kielstraße Eltern von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund über das Vereinswesen in Deutschland aufgeklärt und an ein ehrenamtliches Engagement herangeführt werden. In Bochum wird aus den vielfältigen Interessen und Problemlagen noch eine konkretere projektskizze erarbeitet.

Ein besondere Situation liegt in Münster-Angelmodde vor, wo ein Integrationsverein an einem sozialen Brennpunkt eine Fußballabteilung gegründet hat. Das Stadtteilviertel Osthuesheide ist durch Multiethnizität und soziale Deprivation gekennzeichnet. Dem angezeigten Integrationsbedarf im Kontext bestimmter Problemlagen wie Arbeitslosigkeit oder einer seinerzeit erhöhten Kriminalitätsrate wird bereits seit 1999 durch eine vielfältige Projektarbeit des Sozialvereins „Treffpunkt Waldsiedlung e.V.“ begegnet. Im Rahmen dieser vorhandenen Strukturen der Integrationsarbeit ist für die laufende Saison erstmalig eine Senioren-Fußballmannschaft für den DFB-Spielbetrieb in der Kreisliga C gemeldet worden. So schnell wie möglich sollen eine Jugendabteilung und eine Mädchenmannschaft aufgebaut werden, wofür insbesondere ein Jugendabteilungsleiter verantwortlich zeichnen soll. Das Projekt hat zur Befriedung des Stadtteils beigetragen; es geht nun darum, „robuste“ Vereinsstrukturen zu schaffen, die auch den jungen Männern in der Seniorenmannschaft Gelegenheit zum langfristigen Engagement im Verein bieten.

Das gesamte Projekt wird wissenschaftlich begleitet, um schließlich die Mechanismen und Strukturen zu identifizieren, die der Integration durch Vereinsarbeit förderlich sind. Die Ergebnisse werden die Vereinsarbeit im FLVW nachhaltig beeinflussen.

Passend zum Thema ist die Stiftung auch Partner des FLVW bei der Vergabe des Zukunftspreises für erfolgreiche Vereinsarbeit. Die Themen des Wettbewerbs in 2009 waren Integration und bürgerschaftliches Engagement. Für ihre innovative Arbeit wurden der SJC Hövelriege, Westfalia Kinderhaus, der FC Augustdorf, die Turbo-Schnecken Lüdenscheid und der SC Peckenloh ausgezeichnet. Auch 2010 wird der Zukunftspreis gemeinsam von FLVW und Stiftung Westfalen-Initiative vergeben.